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Gute Lautsprecher- keine Tiefe?

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Joschi
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Betreff: Gute Lautsprecher- keine Tiefe? (144) 09.12.2018, 10:48:50
[Beitrag geändert von Joschi am 09. Dec. 2018, 22:12:37]

Guten Morgen,

der Zufall wollte es, dass ĂŒber meinen Tisch ein paar Bemusterungsexemplare und ein DSP liefen. Wirklich qualitativ hören und beurteilen konnte ich nicht, aber Hinstellen und Musik hören ließ ich mir nicht nehmen.
Lautsprecher waren Altfrau 80, 120 und 310.
All diese Lautsprecher fand ich sehr transparent und hochauflösend, so dass man bei kleinen LautstÀrken auch viele Details hörte, die vorher nicht bemerkt wurden (gewollte und ungewollte Details: zittrige Atmer, uvm.).
Diese Lautsprecher haben exzellente technische Daten, sie gehören im Monitorbereich definitiv zu den Besten. Über die Hörbarkeit (besser ihre Unhörbarkeit) edit: von Phasen :edit aus ist ja auch schon einiges geschrieben worden.
Kurz: Sehr gute Lautsprecher, definitiv in der Produktionskette, aber auch fĂŒr das Hören Zuhause. Frappant war das extrem exakte Darstellen der Richtungsinformation (Positionierung der Klangquellen auf dem Boxen"radius"). Auffallend war aber auch, dass der Tiefeneindruck sehr reduziert war. Hm.

Es gibt keine Technik oder keinen Mechanismus, die Raumtiefe reproduzierbar zu konservieren. Es gibt unterschiedliche Mikrofonierungsarten, die alle ihren eigenen Charakter haben, sie unterstĂŒtzen die Auflösung in der Breite unterschiedlich und bilden die Rauminformation unterschiedlich ab- es sind immer Kompromisse im Ermessen des Toningenieurs. Technisch zwingend reproduzierbar ist die Tiefendarstellung nicht, es ist immer eine interpretatorische Leistung des Gehirns, "Tiefe" zu rekonstruieren oder zu mutmaßen.
Bei klassischen Besetzungen fand ich das immer interessant, aber auch bei anderer Musik (z.B.Tom Waits) gab es immer Beispiele, bei denen ein Tiefeneindruck ausgeprÀgt und willkommen war.

Nun fehlte dieser weitestgehend bei o.g. Lautsprechern.

Da davon unabhÀngig ein DSP da war, der Frequenzgangfehlern auch die Zeitachse entzerren kann (sofern das sinnhaft notwendig ist), testete ich diesen an einem Paar billiger PC-Aktivlautsprecher. Die Frequenzgangkorrektur tat das, was man von ihr erwartet im Rahmen der Korrigierbarkeit der Lautsprecher, auch die Zeitebene war inbegriffen (Sprungantwort des Systems sah danach etwas "besser" aus. Da es sich aber um eine Korrektur am etwa 2m entfernten "Hörplatz" handelte, spielt der Raum die entscheidende Rolle.

Warum schreibe ich das jetzt?
Beim Einschalten der Korrektur (Frequenz und Zeit) hatte ich den gleichen Eindruck wie oben: die Auflösung in der Breite steigt, der Tiefeneindruck lÀsst nach.

Wenn ich kann, spiele ich nocht etwas herum in den kommenden Tagen. Schade fÀnd' ich trotzdem:
Je besser die Lautsprecher, desto flacher die Tiefe?

Dann behalte ich ja fast lieber meine (phasenmĂ€ĂŸig oder wie auch immer) schlechten Lautsprecher, sie lassen mich immerhin hin und wieder von tiefen RĂ€umen trĂ€umen.

Schönen Advent,
Joschi
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