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Re: der rote Faden: Quadrofonie, Kopfhörerstereofonie, Lautsprecherstereophonie

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AH.
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Betreff: Re: der rote Faden: Quadrofonie, Kopfhörerstereofonie, Lautsprecherstereophonie (959) 25.04.2015, 14:41:03
Als Antwort auf: Re: der rote Faden: Niere, Kugel, Acht, FlÀchenstrahler, Halbraumstrahler, eckstehendes Line-Array - je nach Bedarf, geschrieben von Joschi am 25.04.2015, 10:12:08
Du wĂŒrdest Kugeln fĂŒr eine Direktabnahme nutzen, um im Hörraum den bei der Aufnahme nicht vorhandenen Diffusschall zu "synthetisieren"?

Hallo Joschi,

genau so meine ich es.

Ein nah aufgenommenes Instrument wird nur einen kleinen Ausschnitt seines ganzen Spektrums reprĂ€sentieren, da in echt die Abstrahlung tonabhĂ€ngig unterschiedlich in den Voll-/Halbraum erfolgt. Da mag eine Kugel etwas auffĂŒllen, es wird aber nicht das ersetzen, was bei der Aufnahme ausgeblendet wurde- das meinst Du, oder?

Nein, nie wird eine Nahaufnahme, wiedergegeben ĂŒber einen Kugelstrahler "natĂŒrlich" klingen - aber vielleicht ertrĂ€glicher.

Die Abbildung der Raumakustik. Ja. Gute Frage. Selbst wenn man von sparsamer Mikrofonierung ausgeht (Hauptmikro ĂŒber dem Dirigenten- alle Instrumente in etwa Ă€hnlicher Entfernung und einige wenige StĂŒtzen), so beköme man das Orchester und den in Sicht des Dirigenten liegenden Raum abgebildet (als Hauptmikros Nieren vorausgesetzt).

Es mĂŒssen keine Nieren sein, Kugel ("klein A/B") klingen auch gut - da sind die rĂŒckwĂ€rtigen Reflexionen dabei, das ist "weniger richtig". Ich habe auch ein neues Haupmikrofon vor Jahren Eberhard Sengpiel vorgestellt, das "Zweiwegemikrofon". Zwei Kugeln bis ca. 300Hz (fĂŒr UmhĂŒllung), darĂŒber Äquivalenzstereophonie nach freiem ermessen (Basisbreite bis ca. 35 cm, darĂŒber klingt es phasig, Mikrofonwinkel nach ermessen).
Eine "Dirigentenperspektive" muß nicht sein, man kann auch in der 10 Reihe mikrofonieren. FĂŒr mich als "vorne-Mitte-Sitzer" ist die ĂŒbliche Dirigentenperspektive bei Klassikaufnahmen angenehm.
Den diffusen und komprimierten Klang in der 10. Reihe mag ich gar nicht.

Den rĂŒckwĂ€rtigen Raum bekĂ€me man pegelmĂ€ĂŸig deutlich leiser und bei der Wiedergabe außerdem nach vorne geklappt projiziert.

Bei Kugeln stark, bei Nieren leise.

Das stichhaltigste Verfahren wĂ€re demnach eigentlich eine 5.0-Spinne, die die ganze Raumakustik und den gesamten Klangkörper abbilden kann (StĂŒtzen sind dann wieder problematisch).

Der Mittenlautsprecher ist ganz schlecht und ĂŒberflĂŒssig wegen dem Übersprechen zwischen den KanĂ€len, was phasig klingt. Er ist nur fĂŒr die Filmton-Sprachwiedergabe. 4.0 ist eine gute Idee. Kann man sich selbst aus jeder Stereo-Aufnahme herstellen:
Hauptsignal verzögern, ggf. etwas filtern und zeitverzögert ĂŒber ein hinteres/seitliches Lautsprecherpaar wiedergeben.
Eine reflektierende RĂŒckwand (in einem sonst stark bedĂ€mpften und diffusiven Raum) in ausreichend großer Entfernung bei Zweikanalstereophonie wirkt Ă€hnlich. Das konnte ich im kleinen Raum von ME Geithain lernen, der hat zwei Fenster hinten. Jochen Kiesler hat es mir gezeigt.

Es lÀuft alles auf Kompromisse heraus- es sei denn, man nimmt einen Kopfhörer, oder?

Lautsprecher-Aufnahmen sind gar nicht kompatibel zu Kopfhörer-Aufnahmen. Zudem funktionieren "normale" Kopfhörer gar nicht.

Hier zwei funktionierende Kopfhörer-Stereophonien:

1. AKG K 1000 und KugelflÀchenmikrofon-Stereophonie:

Das KugelflÀchenmikrofon erzeugt den ersten Teil der HRTF (Kopfform), der K 1000 den zweiten Teil (Ohrenform) - und zwar die eigene. Bei Tacet gibt es eine Aufnahme mit dem KFM, Ulrike Sonntag singt. Wer einen K 1000 hat, kann diese Stereophonie erproben.

2. Ohrstöpselhörer und Kunstkopf bzw. in-ear-Mikrofon-Stereophonie

Das Kunstkopf-Mikrofon erzeugt eine HRTF, aber nicht die eigene. Ich habe einen BAP 1000, HRTFÂŽs klingen sehr verschieden. Besser sind daher in-ear-Mikrofone, die die eigene HRTF erzeugen.

Wiedergabe dann ĂŒber Ohrstöpselhörer.

Lautsrepchersterephonie hat Übersprechen zwischen den KanĂ€len, Kopfhörer nicht. Nicht kompatibel.
Lautsprecherstereophonie kommt 30 ° schrÀg von vorne und nutzt die eigene HRTF. Kopfhörer 90°. Nicht kompatibel.

Normale Kopfhörer klingen ganz falsch bei Lautsprecher-Aufnahmen.

Ich habe den BAP 1000, einen Lautsprechersimulator fĂŒr Kopfhörer (leider simuliert er auch eine ĂŒberflĂŒssige Raumreflexion), das Übersprechen bei der Lautsprecherstereophonie ist sehr deutlich und sehr störend.

Membrandurchmesser/Umfang limitiert die obere Grenzfrequenz, usw.
Magst Du/Ihr kurz (konfliktfrei) etwas erlÀutern?


Ich habe mit meiner stellbaren Aktivweiche folgende Hörerfahrung mit Rosarauschen gemacht:

Konuslautsprecher klingen bis ka = 1 (WellenlĂ€nge = Strahlerumfang) gut. DarĂŒber ausgedehnt und phasig. Ursache sind wohl interaurale Laufzeit- und Pegeldifferenzen (gehörte Ausdehnung muß daher kommen). Ein trichterartig hohler Klang kommt dazu also:
130er bis 1 kHz
200er bis 600 Hz
250er bis 500 Hz

Kalotten klingen bis "Durchmesser = halbe WellenlĂ€nge" gut. DarĂŒber ausgedehnt und phasig. Ursache sind wieder interaurale Pegel- und Laufzeitdifferenzen.

Also:
76er bis 2,2kHz (kann man fĂŒr bessere Phantomschallquellenbildung bis maximal 2,5kHz ĂŒberziehen, darĂŒber wird die Klangfarbe wegen der zunehmenden BĂŒndelung zu schlecht)

50er bis 3,3kHz

Das ergibt "durchsichtige" Lautsprecher.

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas

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