Selbstbau

Zur Auslegung geschlossener TieftongehÀuse am Beispiel eines Eton 12"-Tieftöners

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AH.
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Betreff: Zur Auslegung geschlossener TieftongehĂ€use am Beispiel eines Eton 12"-Tieftöners (873) 01.05.2015, 12:07:26
Als Antwort auf: Re: Noch ein Halbraumstrahler: Das maximierte Dreiwegesystem, geschrieben von AH. am 28.04.2015, 12:17:05
Hallo,

im Lautsprecherselbstbau ist es verbreitet, geschlossene TieftongehĂ€use so auszulegen, daß die Einbauresonanz am unteren Ende des gewĂŒnschten Übertragungsbereiches liegt und die EinbaugĂŒte 0,707 betrĂ€gt. Dies fĂŒhrt zu unpraktisch großen GehĂ€usen.

Besser, man entzerrt den Tieftonbereich elektronisch und baut unter Verwendung eines geeigneten Tieftöners einen "Mittendrin-Resonanz-Prinzp-Lautsprecher" MRPL. Das gibt es schon lange. Klein+Hummel O98 (SpÀter O 198) oder auch ME Geithain RL 901 sind Beispiele.

ZunÀchst braucht man einen geeigneten Tieftöner:

Möglichst nicht mehr als 5 mm SchwingspulenĂŒberhang (sonst thermische Dynamikkompression oder Verbrennen bei Belastung). Langhuber sind nicht geeignet!
Aluminium-SchwingspulentrĂ€ger fĂŒr hohe thermische Belastbarkeit (WĂ€rmeabfuhr)
Starker Antrieb (geringe GĂŒte)
Weiche AufhÀngung
Stabile Membrane

Wenn man den gefunden hat, fÀngt man an zu rechnen:

1. Der mechanisch maximal mögliche Pegel im Tieftonbereich

FĂŒr unseren 12 " Eton gilt:

MembranflÀche 515 cm2
SchwingspulenĂŒberhang je Seite 6 mm

Er schafft in einer unendlichen Schallwand bei 30 Hz mechanisch ca. 97 dB/SPL @ 1 m im geschlossenen GehÀuse.

2. Elektrische Belasbarkeit bei mechanischer Voll-Aussteuerung abschÀtzen oder besser beim Hersteller erfragen

Unser Chassis hat 62 mm Schwingspulendurchmesser und einen Aluminium-SchwingspulentrÀger, ich schÀtze die elektrische Belastbarkeit auf ca. 50 Watt bei mechanischer Vollaussteuerung ab. Ruhig bei Eton fragen.

3. GehĂ€usegrĂ¶ĂŸe so bestimmen, so daß mechanisch möglicher Pegel mit elektrischer Belasbarkeit erreicht wird

Diese Rechnung gilt fĂŒr den gesamten mit 12 dB/8ve fallenden Ast von geschlossenen GehĂ€usen.

Wir mĂŒssen das GehĂ€use so wĂ€hlen, daß der Eton 97 dB/SPL bei 30 Hz mit höchstens 50 Watt elektrischer Leistung erreicht.
Ich habe mit einem 87 Liter-GehĂ€use angefangen, hier ergibt sich eine EinbaugĂŒte von 0,5. Die geringe EinbaugĂŒte strebe ich an, um "Nullagenfindungs-Dröhnen" zu minimieren.

Bei 30 Hz ist der Pegel in diesem GehÀuse um 9 dB gefallen, der Kennschalldruckpegel des Eton (91 dB/SPL @ 1m pro Watt) betrÀgt also noch 82 dB/SPL @ 1m pro Watt.

97 dB/SPL @ 1m sind der maximale mechanische Pegel bei 30 Hz, wir brauchen also 15 dB mehr.

Elektrisch nötige Leistung verdoppelt sich pro 3 dB mehr. 15/3=5
-> 2*2*2*2*2=32 Watt sind nötig.

Hier ist alles im grĂŒnen Bereich, das GehĂ€use ist formal sogar zu groß. Aber man will die EinbaugĂŒte von 0,5 und lĂ€ĂŸt es so.

Versteht man etwas von der Thermodynamik geschlossener GehĂ€use, kann man das akustisch wirksame Volumen durch eine geeignete FĂŒllung vergrĂ¶ĂŸern:

http://www.syraha.de/foren/msg.php?f=audiotreff_selbstbau&idx=52963&

Als abgeschĂ€tzten Startpunkt fĂŒr eine DĂ€mpfung nur mit Altkleidern wĂŒrde ich daher fĂŒr den 12 " Eton ein 60-Liter-GehĂ€use bauen, das kann ein akustisch wirksames Volumen von ca. 87 Litern haben.

60 cm x 40 cm x 25 cm = 60 Liter!

Wir fĂŒhren das GehĂ€use als "Kommodenbox" in 30 mm MDF aus, es wird also folgende Abmessungen haben:

66 cm x 46 cm x 31 cm

FĂŒr einen Heimlautsprecher noch akzeptabel groß und von einer Person zu tragen. Das ist mir wichtig.

Jetzt muß man erproben, ob es mit dem Eton funktioniert:

http://www.etongmbh.de/produkte/home-hifi/baesse/12-680-62-hex/1/pid/100/

Ich habe es noch nicht erprobt, aber es ist erprobenswert, meine ich.

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas



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