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Re: Die VorzĂŒge des URPS

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AH.
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Betreff: Re: Die VorzĂŒge des URPS (1247) 02.05.2015, 13:41:26
Als Antwort auf: Kleines Hochleistungs-Vierwegesystem im Andenken an Frog, geschrieben von AH. am 01.05.2015, 14:01:04
Hallo,

Dr. Finn Hoffmann hat mit dem URPS vor allem auf die Nullagenfindungsprobleme dynamischer Lautsprecher aufmerksam gemacht.

Bewegt sich der Tieftonlautsprecher sichtbar, sind es fast immer solche Nullagenfindungsprobleme. Man beachte: Das menschliche Auge kann 24 Hz (Bildwiederholungsfrequenz von Filmen) nicht auflösen. HĂŒpft der Tieftöner im Takt der Bass-Drum, dann hat er Nullagenfindungsprobleme. Diese wirken sich wie folgt aus:

1. Hoher Klirr bei Musikwiedergabe. Das ist verstĂ€ndlich, denn die sichtbaren Nullagenfindungsprobleme betragen oft mehrere Millimeter. Beim gegebenen SchwingspulenĂŒberhang kommt ein Tieftöner dann schnell in den nichtlinearen Bereich bei Musikwiedergabe.
Nullagenfindungsproblem erkennt man besonders gut mit dem 100 Hz-Sinus-Gong der SQAM-CD:

https://tech.ebu.ch/publications/sqamcd

https://tech.ebu.ch/docs/tech/tech3253.pdf

Oft werden Tiefton-Lautsprecher bei der Wiedergabe dieses Testsingals aus dem Lautsprecher heraus bewegt oder hinein. Manche sind auch gut und man sieht keine Bewegung bei der Wiedergabe, wie mein Görlich 245 37/8S oder der 12" PHL im K+H O 500 C.

2. Nullagenfindungs-Dröhnen: Wenn der Lautsprecher aus der Nullage ausgelenkt wird, fĂ€llt er nach Beendigung der Anregung wieder zurĂŒck. Das tut er mit seiner gesamten Übertragungsfunktion, also auch mit seiner Einbauresonanz. Bei Baßreflexboxen wird auch der Helmholtzresonator angeregt, was zum unangenehmen "Eintonbaß" fĂŒhrt.

Die grĂ¶ĂŸten Nullagenfindungsprobleme des dynamischen Lautsprechers treten bei der etwa zweifachen Einbau-Resonanzfrequenz auf. Welche technischen Lösungen gibt es?

1. Einen hochwertigen Lautsprecher mit stabilem Antrieb. Hier sind zu nennen der 12" PHL aus dem Klein + Hummel O500 C und der Görlich 245 37/8S, den ich geschlossen und aktiv betreibe. Aber: Auch mein Görlich "zittert" ein klein wenig bei Musikwiedergabe!

2. URPS. Hier liegt die Einbauresonanz oberhalb des Übertragungsbereiches. Er hat viel weniger Nullagenfindungsprobleme. Der angeblich hohe Klirrfaktor bei tiefen Frequenzen muß psychoakustisch bewertet werden. Bei geringen Pegeln sind 20 % k3 nach meiner Kenntnis im Tieftonbereich gerade so eben hörbar, die Hörschwelle fĂŒr k2 liegt noch wesentlich höher. Die Visaton-Messungen bei einem maximalen Klirrfaktor von 10 % sind psychoakustisch sinnlos.

3. MRPL ("mittendrin Resonanz Prinzip Lautsprecher") mit einer EinbaugĂŒte von kleiner oder gleich 0,5. Die Eigenresonanz bei diesem geschlossenen und aktiv betriebenen Tieftöner liegt mitten im Übertragungsbereich. Zumindest das Nullagenfindungs-Dröhnen wird durch die EinbaugĂŒte von 0,5 oder darunter wenig hörbar. NatĂŒrlich muß dieses System entzerrt werden. Bekannte Beispiele sind Klein + Hummel O98, spĂ€ter O 198 und O300 D oder ME Geithain RL 901. Er ist eher dröhngefĂ€hrdet, als der URPS, aber recht billig. Die Einbauresonanz liegt recht hoch, so daß die zweifache Resonanz auch recht hoch liegt. Die Amplituden des Lautsprechers bei der zweifachen Resonanz sind schon recht gering (Die Amplitude fĂ€llt sehr stark mit steigender Frequenz bei gleichem Pegel), daher gibt es geringere Nullagenfindungsprobleme.

Bei tief resonierend abgestimmten Lautsprechern (Baßreflex oder geschlossen auf 0,707 abgestimmt am unteren Ende des Übertragungsbereiches) fallen Nullagenfindungsprobleme und das daraus resultierende Dröhnen und Klirren viel stĂ€rker ins Gewicht.

Ich habe hier am Beispiel eines 12" Eton gezeigt, wie man einen MRPL auslegt:

http://www.syraha.de/foren/msg.php?f=audiotreff_selbstbau&idx=53039&

MRPL-geeignete Tieftöner erscheinen von den TSP her nicht als Tieftöner fĂŒr geschlossene GehĂ€use geeignet. Man muß sie suchen:

Möglichst nicht mehr als ca. 5 mm SchwingspulenĂŒberhang (sonst thermische Dynamikkompression oder Verbrennen bei Belastung). Langhuber sind nicht geeignet!
Aluminium-SchwingspulentrĂ€ger fĂŒr hohe thermische Belastbarkeit (WĂ€rmeabfuhr)
Starker Antrieb (geringe GĂŒte)
Sehr weiche AufhÀngung
Stabile Membrane
Leichte Membrane

Der Görlich 245 37/8S geht ganz ausgezeichnet. Sehr weicher, nicht resonierdender Tieftonbereich mit gut hörbaren 16 Hz (Subkontra-c) bei Orgelmusik:

http://www.syraha.de/foren/msg.php?f=audiotreff_selbstbau&idx=52857&

Potentiell geeignet sind

http://www.etongmbh.de/produkte/home-hifi/baesse/12-680-62-hex/1/pid/100/

http://www.etongmbh.de/produkte/home-hifi/baesse/11-581-50-hex/1/pid/99/

In Anbetracht der Tatsache, daß laut UNO jĂ€hrlich 8,5 Millionen Menschen verhungern und die NahrungsmittelĂŒberproduktion 25 - 30 % betrĂ€gt, wĂŒrde ich mir auch zum Aktivsystem von Dr. Finn Hoffmann keinen URPS bauen, sondern einen MRPL

z.B. 2 x 12" Eton in je 87 Liter akustisch wirsamen Volumen (durch Stopfen mit Altkleidern wird er deutlich kompakter, mindestens 30 % weniger Volumen!)

3 Eton 11" in je 40 Liter akustisch wirksamen Volumen (Volumenverkleinerung wie oben)

Preiswertere MRPL-geeignete Tieftöner werden gesucht....

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas





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