Selbstbau

Re: Einelektrodiger Vollbereichselektrostat

AutorNachricht
Calvin
228 Beiträge

Avatar

Betreff: Re: Einelektrodiger Vollbereichselektrostat (129) 24.07.2017, 20:34:42
Als Antwort auf: Einelektrodiger Vollbereichselektrostat, geschrieben von AH. am 24.07.2017, 19:54:31
Hi,

man könnte sagen ... im Prinzip ja, in der Praxis ... eher nein.

Der ÂŽEntwurfÂŽ weist einige Problempunkte auf.
- normale Frischhaltefolie lÀsst sich zwar schon mit einem Fön thermisch spannen, hÀlt aber die mechanische Spannung nicht aufrecht. Es könnte sogar der Fall eintreten, das die Folie dauerhaft so gedehnt wird, das sie permanent am Stator klebt. Geeignete Folien bestehen aus Polyesterderivaten wie Mylar und Hostaphan.

- Ein Kasten kann zu tiefen Frequenzen nicht so stark gedÀmpft werden, das nicht Reflektionen aus dem Kasten durch die Membran, die fast im gesamten Hörbereich akustisch transparent ist, durchdringen.

- 10-20kV auf dem Lochblech sind viel zu viel. Luft hat eine ÜberschlagsfeldstĂ€rke von unter 2kV pro mm. Um ÜberschlĂ€ge sicher zu unterbinden sollte die FeldstĂ€rke 1,5kV/mm bis 1,7kV/mm nicht ĂŒberschreiten. Selbst wenn das Blech mit einer vergleichsweise dicken Isolierlackschicht versehen ist sollte das HV-Netzteil nicht mehr als 3-5kV an Polarisationsspannung liefern. Die Membran selber muss gut leitfĂ€hig beschichtet sein, bildet sie doch einen Teil eines Stromkreises (im Gegensatz zum symmetrischen ESL, bei dem die Membran auch - und vorteilhaft- sehr hochohmig beschichtet werden kann). Dadurch arbeitet er unter Konstantspannungs-Bedingungen, was bedeutet, das die Spannung zwischen Membran und Elektrode nicht minimal wird wie beim hochohmigen Konstant-Ladungs-ESL. Damit sind heiße ÜberschlĂ€ge vorprogrammiert, die die Membran löchern, oder gleich ganz und recht spektakulĂ€r abfackeln. Ein eher selten angefĂŒhrtes Problem der hohen Spannungswerte ist die schnelle vorzeitige Alterung der belasteten Isolatoren. SchlĂ€gt die Isolierung des Stators nur einmal durch, schlĂ€gt sie immer wieder und hĂ€ufiger an dieser Stelle durch.

- 0,5mm Elektrodenabstand sind zwar fĂŒr ESLs schon einiges, fĂŒr einen Bass-tauglichen ESL aber zu wenig. Durch Beaufschlagung mit der Polaristationspannung wird die Folie zur Elektrode gezogen. Typischerweise wĂ€hlt man die Parameter so, das sich die Folie um etwa die HĂ€lfte des Luftspaltes auf die Elektrode zubewegt. Der maximale Hub betrĂ€gt dann +-1/2H. Hier spielt weiter hinein, das die maximale Kraft pro FlĂ€cheneinheit beim ESL deutlich geringer ist als beim dynamischen LS. Als Folge muss die Membranflche deutlich grĂ¶ĂŸer sein um gleiche Schallpegel zu erzielen. Bei dem geringen möglichen Hub kommt man im Bassbereich schnell in den Bereich unhandlicher GrĂ¶ĂŸen.

- Da die Folie mechanisch gespannt wird erhöht sich Ihre Freiluftresonanz. Durch den Einbau in den Kasten addiert sich die Federsteife des Kastens, die die Einbauresonanz aufgrund der winzigen Masse der Membran sehr hoch treibt. ZielfĂŒhrender wĂ€re eine sehr tiefe gedĂ€mpfte, hinten offene SchallfĂŒhrung Ă€hnlich einer idealen Transmissionline ... leider praktisch auch sehr groß.

Was also zunÀchst so einfach scheint wird schnell kompliziert, wenn man es denn richtig machen will
Aber Du wÀrst ja auch nicht der erste Meister, der nicht vom Himmel fiel.

jauu
Calvin







Thread:

Selbstbau | Total Generation Time: 0.0732s
© 1998-2017, Rainer Halstenbach, Alle Rechte vorbehalten