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Nach 13 Jahren noch immer zufrieden mit dem Erstling

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AH.
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Betreff: Nach 13 Jahren noch immer zufrieden mit dem Erstling (5185 )15.08.2014, 17:32:20
Hallo,

ich wollte einmal berichten, wie es mir mit meinen Lautsprecher-Erstlingen ergangen ist. Im Jahr 2001 habe ich ein voll aktives Dreiwegesystem aufgebaut. Aus dem Klein+Hummel O198 kannte ich die Dynaudio D76AF Mitteltonkalotte, die ich gewÀhlt habe, weil dies der bisher reinste mir bekannte Mitteltonbereich war, den ich hören konnte. Als Tieftöner wÀhlte ich einen Görlich 245/37/8S, da der Polypropylen-Peerless-Tieftöner im O 198 mit Klaviermusik doch hörbare "Plopp"-GerÀusche von sich gab. Als Hochtöner wÀhlte ich den Peerless WA10 aufgrund seines relativ guten Abstrahlverhaltens, Amplitudenfrequenzganges und des geringen Preises.

Es handelt sich nicht um einen Nachbau des K+H O198. Der Mitteltöner wurde dort bei ca. 3,3 kHz getrennt und der Hochtöner war in einem Waveguide, um ein zu hohen Frequenzen ansteigendes BĂŒndelungsmaß zu realisieren, wie vom IRT gefordert. Ich halte diese Forderung abstrakt fĂŒr falsch (sie ist technisch und hörmĂ€ĂŸig nicht begrĂŒndbar, nur leichter realisierbar) und in SSF-01 wurde schon damals ein frequenzlineares BĂŒndelungsmaß von 10 dB zwischen 200 Hz und 10 kHz gefordert, soweit ich mich erinnere.

Dieses BĂŒndelungsmaß ist fĂŒr einen Lautsprecher-Erstling mit vertretbarem Aufwand nicht realisierbar, ich kenne nur wenige Hauptregielautsprecher, die dies erreichen, u.a. Musikelectronic Geithain RL 900, RL 900A und RL 901 sowie Genelec 1034B. Dabei wird mit großen Waveguides oder mit hoch getrennten 15"-Tieftönern mit davor plaziertem Mitteltöner gearbeitet, der rĂŒckseitig mit einem akustischen Strömungswiderstand verschlossen ist, um einen nierenförmige Abstrahlcharakteristik zu erreichen. Beides sind keine AnfĂ€ngerprojekte.

Attraktiv erschien es mir einen angenĂ€herten Halbraumstrahler zu entwickeln. Hierzu benötigt man eine sehr große Schallwand (ideal wĂ€ren wandbĂŒndige Montage) und die Chassis dĂŒrfen in ihrem Übertragungsbereich nicht bĂŒndeln - leicht machbar. Der verspricht ein frequenzlinares BĂŒndelungsmaß (das ist wichtig fĂŒr eine freuquenzlinare Betriebsschallpegelkurve und damit fĂŒr einen unverfĂ€rbten Klang am Hörplatz), ist aber nicht fĂŒr so große HörabstĂ€nde optimiert, wie ein Lautsprecher mit einem BĂŒndelungsmaß von 10dB. Nach meiner Erfahrung in den RĂ€umen von ME Geithain sollte der Hörabstand etwas innerhalb des Hallradius liegen. Also wurde es ein großer Nahfeldlautsprecher fĂŒr HörabstĂ€nde um 1,5 m.

Ich wÀhlte die durchstimmbare Behringer-Frequenzweiche Super X pro CX 34 von Behringer, die Linkwitz-Riley-Filter 4. Ordnung (24dB/8ve) bieten sollte. Nach meinen Messungen sind es leider nur 12dB/8ve...naja. Zur Systementzerrung wÀhlte ich den Terzbandequalizer Behringer Ultracurve 8024, der auch zusÀtzliche parametrische Equalizer besitzt. Den Controller DCX2496 gab es damals noch nicht, ich hÀtte ihn sonst gewÀhlt.

Mit Hilfe der durchstimmbaren Weiche habe ich einiges gelernt:

(1) Mit Rosarauschen klingt der 25cm-Tieftöner bis ca. 550 Hz gut. DarĂŒber wird er als Schall abstrahlendes Ding hörbar und klingt hörbar hohl bzw. trichterartig. Konuslautsprecher kann man anscheinend nur bis ka = 1 (Strahlerumfang = WellenlĂ€nge) einsetzen, wenn man diesen Effekt vermeiden möchte.

(2) Die Dynaudio D76 klang mit Rosarauschen nur bis 2,2kHz gut. Hier entspricht eine halbe WellenlĂ€nge dem Strahlerdurchmesser. DarĂŒber wird sie ein hörbar Schall abstrahlendes Ding.

Die FrequenzĂŒbergĂ€nge wurden daher hörmĂ€ĂŸig bei 550 Hz und 2,2 kHz gewĂ€hlt. Allerdings ist die Phantomschallquellenbildung bei einem FrequenzĂŒbergang von z.B. 400 Hz und 2,8 kHz deutlich besser, da der Mitteltöner ein breiteres Frequenzband abstrahlt. Durch die HRTF sind vertikal ĂŒbereinander angeordnete Chassis leicht als solche zu lokalisieren, nach meiner Hörerfahrung wesentlich feiner, als 3°, was der Lehrmeinung entspricht. Es sind eher 0,5° oder noch weniger nach meiner Erfahrung.
Dennoch klingt das System in meinen Ohren mit FrequenzĂŒbergĂ€ngen von 550 Hz und 2,2 kHz durchsichtiger und insgesamt wesentlich besser. Die Dynaudio-Mitteltonkalotte klingt auch mit Rosarauschen bei Frequenzen unterhalb ca. 600 Hz etwas schlecht.

Als VerstĂ€rker verwendete ich einfache Proson Detonation VerstĂ€rker, 64 W fĂŒr ca. 80 €, da ich nicht an VerstĂ€rkerklang glaube.

Generell kann ich das Anhören von Lautsprecherchassis mit durchstimmbaren Aktivweichen und sogar unbeschaltet mit Testsignalen oder Musiksignalen sehr empfehlen, wenn es um die Chassisauswahl geht. Als Testsignal ist insbesondere die SQAM-CD der EBU sehr geeignet und als Musiksignale gute, dokumentarische Klassikaufnahmen (die findet man aber nur mit Erfahrung, ich kann auch welche empfehlen). Man muß allerdings regelmĂ€ĂŸig in klassiche Konzerte ohne ELA-Anlage gehen (normal bei diesem Genre), um zu wissen, wie die Instrumente klingen. Pop und Rock sind fast nicht geeignet, weil niemand weiß, wie diese synthetisch entstandenen Aufnahmen klingen sollen. Generell ist diese Vorgehensweise nach meiner EinschĂ€tzung sogar dem Klippel-System vorzuziehen, da man die Klippel-Daten psychoakustisch nicht sicher deuten kann, da die Hörschwellen (z.B. fĂŒr Breitband-StörgerĂ€usche oder nicht-harmonische Verzerrungen) nicht sicher bekannt sind.

Mit dem Ergebnis meines Erstlings bin ich sehr zufrieden, der Lautsprecher klingt sehr durchsichtig und hat eine ausgezeichnete Tiefenstaffelung, die sehr selten ist (gibt es fast nur bei Klassik-Aufnahmen, dort aber oft sehr ausgeprĂ€gt, Tiefenstaffelung erleichtert bei mir auch das polyphone Hören). Dies liegt v.a. daran, dass jene Frequenzbereiche, in denen ein Einzellautsprecher als Schall abstrahlender Gegenstand erkennbar wird, vermieden wurden. Ich habe die Kantendiffraktion mit groß dimensioniertem Schaumstoff bekĂ€mpft und auch mit Schaumstoff-"Waveguides" experimentiert, um das Abstrahlverhalten einzuengen. Im Schaumstoff-"Waveguide" entstehen wohl kaum stehende Wellen, die in echten Waveguides stören, wenn deren Bandbreite mehr als ca. 1 Oktave betrĂ€gt. Insgesamt war die Variante ohne Waveguide mit stark bedĂ€mpften SeitenwĂ€nden, aber mit Schaumstoff zur Verminderung der Kantendiffraktion hörmĂ€ĂŸig am besten.

Ich habe in allen FĂ€llen eine lineare Betriebsschallpegelkurve vorgezogen, also am Hörplatz 20 Hz bis 20 kHz +/- 1 dB (Terzbewertung) ohne Schwerpunktbildung. Aufgrund des Druckkammereffektes im Hörraum war das Subkontra-C (16 Hz) z.B. in der Suite Gothique von LĂ©on Boellmann Ă€ußerst sauber und unverzerrt zu hören (Romantic Organ Music, Peter Hurford, Decca).

Der Tieftöner arbeitet in einem 50 l-GehĂ€use (30 mm MDF) mit einer EinbaugĂŒte deutlich unter 0,7 und ist elektrisch entzerrt. Auf diese Weise wird Dröhnen verhindert, was dadurch entsteht, wenn der Lautsprecher durch Frequenzen oberhalb der Resonanzfrequenz statisch aus der Nullage ausgelenkt wird (sieht man sehr gut mit dem 100 Hz-Sinusgong von der SQAM-CD, wirklich gut sahen damit bisher nur der 15"-PHL Tieftöner im K+H O500C und meinem 25cm-Görlich aus - gut heißt, man sieht nicht, dass der Lautsprecher bei der Wiedergabe des 100Hz-Gonges aus dem GehĂ€use herausgedrĂŒckt wird oder hereingezogen wird). Schwingt der statisch aus der Nullage ausgelenkte Lautsprecher in die Nullage zurĂŒck, hört man die Einbauresonanz dröhnen, wenn die EinbaugĂŒte zu hoch ist. Daher empfehle ich sehr stark angetriebene Tietöner in zu großen geschlossenen GehĂ€usen, die elektrisch entzerrt sind. Die andere Lösung ist der URPS, dessen Resonanzfrequenz oberhalb seines Übertragungsbereiches liegt, allerdings ist dies nur als Subwoofer zu verwenden, der aufgrund der fĂŒr die Lokalisation erforderlichen Trennung bei unter 100 Hz mit 24dB/8ve hörbare Gruppenlaufzeitverzerrungen erzeugt, also einen hörbar langsamen Baß. Das geht gut nur mit einem FIR-Filter mit linearphasiger Entzerrung.

Generell habe ich auch einige andere Chassis angehört. Neben dem Dynaudio D76 AF ist auch der Seas H304 ein empfehlenswerter Mitteltöner. Aus meiner Erfahrung mit dem K+H O500C und ATC-Lautsprechern kann ich auch die ATC SM75-150S empfehlen. Kein mir bekannter Konuslautsprecher erreicht die Reinheit und Tiefenstaffelung von den guten 3"-Gewebekalotten.
2"-Gewebekalotten habe ich nicht erprobt, weil sie zu hoch (z.B. 800Hz) getrennt werden mĂŒssen, was zu einer schlechten Phantomschallquellenbildung fĂŒhrt. Die Beugung der Schallwellen am Oberkörper und Kopf beginnt aufgrund der Relation aus WellenlĂ€nge und Kopf bei ca. 300Hz, daher wĂ€re es wĂŒnschenswert, wenn der Mitteltöner ab hier ĂŒbertrĂ€gt und einen koaxialen Hochtöner enthĂ€lt, was aber auch zu Nachteilen (stehende Wellen, Trichterklang, linare Verzerrungen) fĂŒhrt.
Konusmitteltöner klingen meist schlecht. Der Isophon PSM120 verzerrt unertrĂ€glich, ein Peerless-Mitteltöner ohne Sicke klang auch schlecht. Vom Klangeindruck am besten gefiel mir ein 130er-Görlich Vollkonus mit Gewebesicke. Die QualitĂ€t der großen Kalotten erreicht er allerdings nicht.
Der m.W. von Klein+Hummel in allen Modellen verwendete Hochtöner Seas TAF27plus klingt richtig schlecht, z.B. mit dem Glockenspiel der SQAM-CD. Er ist unrein und das Glockenspiel, das mit einem gewissen Abstand aufgenommen wurde, klingt viel zu nah. Der Peerless WA10 klingt auch schlechter, als der Peerless KO10. Er zischelt etwas mit Rosarauschen. Insgesamt klang der alte Peerless KO10 am besten (sehr rein und mit weitem Abstand beim Glockenspiel der SQAM-CD). Vielleicht verwendet K+H die Metallkalotte, weil sie thermisch belastbarer ist, als Gewebekalotten. Gut klingt sie nicht.

Zusammengebaut waren beide Lautsprecher in ca. 20 Arbeitsstunden, sie sind als einfachste Lösung vorne mit Stoff bezogen.

Liebe GrĂŒĂŸe,

Andreas

P.S. Ich habe noch einen Flachlautsprecher fĂŒr die Wandmontage Ă€hnlich dem Vorschlag von JĂŒrgen Eleberich gebaut (700x700x130mm) als voll aktives Dreiwegesystem mit einem 25er Görlich, 130er Görlich (Mitteltonkalotten gingen nicht aufgrund des großen rĂŒckwĂ€rtigen Volumens) und Peerless KO10. Doch dazu spĂ€ter vielleicht mehr.



Kreativer-Freak
374 Beiträge

Betreff: Re: Nach 13 Jahren noch immer zufrieden mit dem Erstling (3001 )16.08.2014, 18:01:48
Hallo @AH,

sehr schöner Baubericht und beeindruckend welche MĂŒhe Du Dir mit Deinem ersten Lautsprecher gegeben hast, und welche Berechnungen und Messungen Du durchgefĂŒhrt hast.
Freut mich auch zu hören das die Lautsprecher immer noch zu Deiner vollsten Zufriedenheit funktionieren ! Das ist leider inzwischen etwas selten geworden, irgendwann gehen die selbstgebauten Teile (nein nicht bei den Forumsteilnehmern, aber sonst) in die Tonne, meistens wg. fehlendem WAF und werden durch etwas konventionelles ersetzt.
Da freut sich dann die High-End-Branche, oder Herr Saturn.

Meine ersten von mir gebauten Lautsprecher funktionieren und laufen auch noch. Die sind jetzt, ich musste einen Augenblick rechnen, 46 Jahre alt.
Messen war damals noch nicht, ich habe "Butterbrotpapier" genommen, die FrequenzlĂ€ufe aus den Katalogen durchgepaust, das Ganze dann ĂŒbereinandergelegt um die besten Trennfrequenzen zu bestimmen.
Aufgebaut habe ich die Lautsprecher dann mit der legendĂ€ren Isophon KK10 Mittelhochtonkalotte. (8 Monate hartes sparen und Zeitungen austragen. ) Die marschierte damals schon von 800 bis 20.000 Hz und konnte mit Weiche bis 100 Watt (!) belastet werden. Zwei 8" BĂ€sse von WHD und zwei weitere Isophon Hochtonkalotten sowie eine Isophon 3-Wegweiche vervollstĂ€ndigten das Ensemble. Das GehĂ€use - ich musste auf den Platz in meinem Kinderzimmer RĂŒcksicht nehmen hat 28 L Nettovolumen, ist geschlossen und hochbedĂ€mpft mit Schaumgummi.
Die erste harte BewĂ€hrungsprobe fĂŒr die Boxen war meine Konfirmation, spĂ€ter unser
Polterabend, dann liefen die Teile noch 8 Jahre in unserem Wohnzimmer und haben 4 VerstĂ€rker ĂŒberlebt. (Baderle NoName Amp. Dual CV 120, Kennwood, und meinen ersten Onky0). Heute laufen sie an einem TEAC AG7000 in meiner Werkstatt.
Vom Klangbild sind sie immer noch einwandfrei und fĂŒr mich ein Quantensprung war die Anschaffung eines Röhren D/A Wandlers.
In der Zwischenzeit habe ich viele, viele andere Boxen gebaut, vor allem auch große Kaliber, aber meine ersten Boxen werde ich weder fĂŒr nette Worte noch fĂŒr viel Geld hergeben...........

Liebe GrĂŒsse
K.F. / Olaf
CL
459 Beiträge

Betreff: Re: Nach 13 Jahren noch immer zufrieden mit dem Erstling (3109 )21.08.2014, 17:46:21
Hallo Andreas,
funktionelle LS die sicher auch in Bezug auf die Messergebnisse fast perfekt sind.

Da wir in der Vergangenheit einige Diskussionen zum Thema hatten, ich bin nach wie vor nach 14 Jahren mit meinen aktiven pseudo D`Apolito Kisten glĂŒcklich auch wenn es bis zum fĂŒr mich perfekten Ergebnis etwas dauerte.

GrĂŒĂŸe Chris




AH.
137 Beiträge
Betreff: Metallmembranen im Mitteltonbereich? - Subharmonische Resonanzen oder Kolbenstrahler? (3061 )06.09.2014, 17:01:56
Hallo Chris,

wie ich sehe, hast Du Metallmembranen im Mitteltonbereich eingesetzt. Bei meinen Hörtests schnitt der Hochtöner mit Metallmembrane im Gegensatz zur Gewebekalotte schlecht ab. Das Glockenspiel von der SQAM-CD klang zu nah und unsauber, wÀhrend die Gewebekalotte Peerless KO 10 sehr gut reproduzierte.

Eine Frage: Wie kann es sein, daß Metallmembranen oberhalb ka = 1 (Durchmesser = SchallwellenlĂ€nge) eingesetzt werden können? Der Freifeld-Frequenzgang eines idealen Kolbenstrahlers fĂ€llt oberhalb ka = 1 im Freifeld mit 6 dB/8ve, im Diffusfeld mit 12 dB/8ve, soweit ich die LehrbĂŒcher richtig in Erinnerung habe.

Die Metallmembrane kann also nicht kolbenförmig schwingen. Aufgrund der hohen Schallgeschwindigkeit in Metall könnten es subharmonische Resonanzen sein (z.B. Lambda/4, Lambda/8 usw.), die den Metall-Konus oder die Metall-Kalotte oberhalb ka = 1 einen linearen Freifeld-Frequenzgang annehmen lassen.

Nun habe ich gehört, daß subharmonische Resonanzen bei Hartmembranchassis fĂŒr Peaks im Freifeld-Frequenzgang auch unterhalb ka = 1 sorgen, die sich nur in einer hoch aufgelösten Sinus-Messung nachweisen lassen. Diese Peaks im Freifeld-Frequenzgang sind nach meiner EinschĂ€tzung gefĂ€hrlich fĂŒr das Gehör, da einzelne Frequenzen sehr laut wiedergegeben werden. Ähnliches findet man bei Elektrostaten oder DML bzw. NXT-Lautsprechern, die ĂŒber schmalbandige Maxima und Minima im Amplitudenfrequenzgang verfĂŒgen. Hast Du eine fein aufgelöste Sinusmessung mit den Metallchassis gemacht oder Dir einmal einen sehr langsamen Sinus-Sweep mit einem Sinus-Generator angehört, ob dessen Pegel hörbar schankt? Wenn etwas wahres daran ist, daß Metallmembranen oder Hartmembranen genrell auch im Nutzbereich nur in einer völlig ungeglĂ€tteten Sinus-Messung erkennbare Resonanz-Peaks aufweisen, wĂŒrde ich davon abraten sie einzusetzen, da sie das Gehör gefĂ€hrden.

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas
CL
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Betreff: Re: Metallmembranen im Mitteltonbereich? - Subharmonische Resonanzen oder Kolbenstrahler? (2880 )08.09.2014, 12:31:35
Hallo Andreas,
der Teiber wird nicht oberhalb von ka=1 eingesetzt, der Membrandurchmesser betrÀgt ca. 14cm und getrennt wird bei 2kHz mit 24 db/oct.
Zu bemÀngeln wÀre die Sprungstelle im Abstrahlverhalten, dies hatte ich Zwischenzeitlich mittels WG angepasst, aber mich dann doch bewusst gegen den WG entschieden: http://www.amodul.de/?p=149

Hier ist zu sehen, wann die Membran mangels der Möglichkeit partial zu schwingen aufbricht, dies macht sie im Vergleich zu anderen Kandidaten, z.B. den alten Excel Chassis, noch vergleichsweise gutmĂŒtig:

https://

Über die Lautsprecher wurde schon sehr oft ein langsamer Gleitsinus abgespielt und ich konnte das von dir beschriebene PhĂ€nomen nicht hören.

Die Diskussion zu den Chassis gab es ĂŒbrigens ebenfalls schon vor Jahren, Theo wie auch andere konnte ich aber durch Hörtests davon ĂŒberzeugen, dass das Chassis keine typische Klangfarbe besitzt welche auf Verzerrungen am Übertragungsende zu zurĂŒckzufĂŒhren ist, z.B. auch hier nachzulesen:

http://www.syraha.de/foren/msg.php?f=audiotreff_allgemein&idx=17625&

GrĂŒĂŸe Chris


AH
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Betreff: Re: Metallmembranen im Mitteltonbereich? - Subharmonische Resonanzen oder Kolbenstrahler? (2908 )09.09.2014, 13:25:39
der Teiber wird nicht oberhalb von ka=1 eingesetzt, der Membrandurchmesser betrÀgt ca. 14cm und getrennt wird bei 2kHz

Hallo Chris,

nach meiner Rechnung ist ka = 1 fĂŒr einen Strahler mit 14 cm Durchmesser ca. 780 Hz, er wird also oberhalb ka = 1 eingesetzt (3,143*0,14m = 0,44m und 343 m/s geteilt durch 0,44 m = 779 1/s [Hz]). Danke fĂŒr Deine Messungen, die allerdings zu stark geglĂ€ttet sind fĂŒr meine Fragestellung (Die Resonanzen am oberen Ende des Übertragungsbereiches von Metallchassis sehen weniger geglĂ€ttet ganz anders aus). Das man mit einem Gleitsinus nichts hört, ist ein Hinweis, daß Resonanzen im Nutzbereich vielleicht doch nicht auftreten.

Allerdings bleibt die Frage, warum der Freifeld-Frequenzgang oberhalb ca. 780 Hz nicht mit 6 dB/8ve abfĂ€llt, denn das mĂŒĂŸte er, wenn es ein idealer Kolbenstrahler wĂ€re - so steht es im Lehrbuch, es liegt daran, daß der Realteil des Strahlungswiderstandes oberhalb ka = 1 nicht mehr ansteigen kann, weil der Strahlungswiderstand oberhalb ka = 1 ohnehin nur noch einen Realteil besitzt.
Weichmembranen (Pappe, Polyproplyen, Papier etc.) haben nach meiner Kenntnis oberhalb ka = 1 einen relativ linaren Freifeldfrequenzgang, weil sich die Membrane nicht mehr kolbenförmig bewegt, es gibt also Resonanzen. Bei Metall wĂ€re das besonders schlimm, wenn sie sehr schmalbandig wĂ€ren - man kann sie schwer messen und sie können das Gehör zerstören, durch den hohen Pegel einer Resonanz. Das wĂ€re logisch, weil die innere DĂ€mpfung von Metall sehr gering ist. Es gibt ja sogar BreitbĂ€nder aus Metall, wie den von Jordan, als Kolbenstrahler ist sowas nicht realisierbar, wenn meine Lehrbuch-Informationen stimmen. Das Thema ist fĂŒr mich daher noch nicht aufgelöst.

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas
CL
459 Beiträge

Betreff: Re: Metallmembranen im Mitteltonbereich? - Subharmonische Resonanzen oder Kolbenstrahler? (2813 )09.09.2014, 17:13:10
Hallo Andreas,
ich hatte mich verrechnet, da ich nicht den Umfang sondern den Durchmesser einsetzte.

Auf die Schnelle fand ich leider keine Klippelmessung zu einem Metallchassis, damit sollte eigentlich zu sehen sein was Sache ist. Hier gibt es nur ein Besispiel zu einer Honeycomb Membran, von der ich allerdings auch ein anderes Schwingungsverhalten erwartet hÀtte:

http://www.klippel.de/our-products/rd-system/modules/scn-scanning-vibrometer-system.html

Ich kann mir aber auch nicht vorstellen die Resos nicht im Wasserfall irgendwie zu sehen, sofern diese vorhanden wÀren.

GrĂŒĂŸe Chris
plĂŒschisator
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Betreff: Re: Metallmembranen im Mitteltonbereich? - Subharmonische Resonanzen oder Kolbenstrahler? (2845 )15.09.2014, 10:18:38
Wenn die Resos tatsĂ€chlich so schmalbandig sind, tauchen sie natĂŒrlich auch in einem normal aufgelösten Wasserfall nicht auf.
Ich konnte zwar eurer Rechnerei nicht ganz folgen, aber diese Spitzen erklĂ€ren vielleicht, warum mir Metallmembranen noch nie gefielen. Entsprechende Schmalbandigkeit vorausgesetzt, kann so ein Signal nicht bewusst wahrgenommen werden, da die Signale der Zilien clusterweise verarbeitet werden. Gleichwohl ist die Empfindung jedoch da, inclusive des postulierten Stress fĂŒrs Hörorgan. Liegt der Pegel der Resonanz deutlich unter dem Bezugspegel, wird die Gefahr fĂŒr das Gehör wohl nicht gegeben sein- trotzdem dĂŒrfte es sich noch als störend bemerkbar machen.
CL
459 Beiträge

Betreff: Re: Metallmembranen im Mitteltonbereich? - Subharmonische Resonanzen oder Kolbenstrahler? (2727 )16.09.2014, 18:44:24
Ich verstehe die Vorurteile, da ich mich auch schon mit blutenden Ohren von manch LS mit Metallmembranen abgewendet habe.

Aber bis jetzt konnte ich jeden der die Kisten gehört hat davon ĂŒberzeugen, dass das Blech nicht zu hören ist, noch so ein ehemaliger UnglĂ€ubiger :

http://www.syraha.de/foren/msg.php?f=audiotreff_selbstbau&idx=27219&

GrĂŒĂŸe Chris
AH
110 Beiträge
Betreff: Re: Nach 13 Jahren noch immer zufrieden mit dem Erstling (4214 )03.12.2014, 13:19:46
Hallo,

nach meinen Erstlingen habe ich noch ein voll aktives Dreiwegesystem fĂŒr die Wandmontage aufgebaut. Die Abmessungen betragen 700 x 700 x 130 mm. Der Tieftöner ist ein 25 cm Tieftöner von Podszus-Görlich in 30 Liter Volumen. Der Mitteltöner ist ein 130 mm Podszus-Görlich mit Gewebesicke und der Hochtöner ein Peerless KO 10. Gerne hĂ€tte ich eine 76 mm - Gewebekalotte eingebaut, aber weder die SEAS H304 noch die Dynaudio D 76 AF gehen, weil ihr angebautes Volumen zu tief baut, somit sind sie nicht fĂŒr Flachboxen geeignet.
Das System wird mit einem Hypex active 3 betrieben, die FrequenzĂŒbergĂ€nge sind 250 Hz und 2 kHz (24dB/8ve). Das System kommt gut ohne Systementzerrung aus, nur der Mitteltöner hat eine leichte breitbandige Überhöhung im Freifeld-Frequenzgang, jedoch richtet er in diesem Frequenzbereich schon, so daß ein hörmĂ€ĂŸig ausgewogener Klangeindruck entsteht.
Der Mitteltöner wurde weiter weg vom Tieftöner gerĂŒckt, da die WellenlĂ€nge bei 250Hz dies zulĂ€ĂŸt und der Mitteltöner so eine glatte Schallwand ohne "Tieftöner-Konus-Loch" um sich herum besitzt. Bei meinem ersten System ist das vertikale Abstrahlverhalten der Dynaudio D76 AF Mitteltonkalotte dadurch eingeschrĂ€nkt, daß sie so nah wie möglich am Tieftöner montiert ist, was bei einem FrequenzĂŒbergang von 550Hz jedoch nötig ist.
Mitteltöner und Hochtöner sind nebeneinander montiert, was zwei Vorteile bietet:
1. Die Phantomschallquellenbildung ist besser, da der Hochtöner nicht ĂŒber dem Mitteltöner lokalisiert wird (durch die HRTF)
2. Die konstruktive Interferenz (es wird mit 24dB/8ve Standardfiltern getrennt) kippt ca. 20 ° nach innen, da das akustische Zentrum des Mitteltöners weiter hinten liegt, als das des Hochtöners. Bei Wandmontage ist dies vorteilhaft, da sie in Richtung des Hörers kippt.

Zur Tiefton-Entzerrung verwende ich einen alten Yamaha VorverstÀrker, z.B. C60, C65, C4 o.À., die eine parametrische Tieftonentzerrung (Kuhschwanzfilter mit variabler Eckfrequenz) bieten.

Der Höreindruck ist sehr gut, das System ist mit Klassik Ă€ußerst pegelfest, der Klang ist sehr unverfĂ€rbt und transparent. Allerdings ist der Mitteltonbereich nicht so sauber wie mit den 76 mm Gewebekalotten.

Liebe GrĂŒĂŸe

Andreas

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